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Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) im Kontext postinfektiöser Syndrome

Im Rahmen von Long COVID und ME/CFS wird zunehmend auch das Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) als möglicher pathophysiologischer Baustein diskutiert. Mastzellen sind spezialisierte Immunzellen, die vor allem an Grenzflächen des Körpers – etwa in Haut, Schleimhäuten, Atemwegen und im Gastrointestinaltrakt – lokalisiert sind. Sie spielen eine zentrale Rolle in der Immunabwehr, insbesondere bei allergischen Reaktionen, sind jedoch auch maßgeblich an entzündlichen und neuroimmunologischen Prozessen beteiligt. Beim Mastzellaktivierungssyndrom kommt es nicht primär zu einer Vermehrung von Mastzellen, sondern zu einer Fehlregulation ihrer Aktivität. Die Zellen reagieren übermäßig empfindlich auf verschiedene Reize und setzen dabei vermehrt Mediatoren wie Histamin, Tryptase, Prostaglandine und Leukotriene frei. Diese Substanzen wirken auf zahlreiche Organsysteme und können eine Vielzahl von Symptomen verursachen.

Pathophysiologische Zusammenhänge mit Long COVID und ME/CFS
Die Verbindung zwischen MCAS und postinfektiösen Syndromen lässt sich über mehrere Mechanismen erklären. Infektionen können das Immunsystem nachhaltig verändern und zu einer erhöhten Sensibilität von Mastzellen führen. Gleichzeitig können entzündliche Prozesse und oxidativer Stress die Aktivierungsschwelle dieser Zellen herabsetzen.

Darüber hinaus besteht eine enge Wechselwirkung zwischen Mastzellen und dem autonomen Nervensystem. Mastzellen befinden sich in unmittelbarer Nähe zu Nervenfasern und können durch neurogene Signale aktiviert werden. Umgekehrt beeinflussen ihre Mediatoren die Funktion des Nervensystems. Dies ist insbesondere im Kontext der Dysautonomie relevant, da Mastzellmediatoren wie Histamin direkt auf Gefäße und Herzfrequenz wirken können. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die mögliche Rolle von Mastzellen bei der Entstehung von Gefäßdysfunktionen. Histamin und andere Mediatoren können die Gefäßpermeabilität erhöhen und die Regulation des Gefäßtonus stören. Dies kann zur Minderdurchblutung und zu Symptomen wie Schwindel, Tachykardie und Fatigue beitragen.

Auch immunologisch bestehen Überschneidungen: Mastzellen können durch Zytokine aktiviert werden und selbst wiederum entzündliche Signale verstärken. In Kombination mit den bei Long COVID und ME/CFS beschriebenen Autoantikörpern ergibt sich ein komplexes Netzwerk aus Immunaktivierung, neuroimmuner Dysregulation und vaskulären Veränderungen.

Klinische Symptomatik
Die Symptomatik des MCAS ist heterogen und betrifft häufig mehrere Organsysteme gleichzeitig. Typisch ist ein fluktuierender Verlauf mit schubweisen Verschlechterungen, die durch verschiedene Trigger ausgelöst werden können. Zu den häufig berichteten Beschwerden gehören Hautreaktionen wie Flush oder Juckreiz, gastrointestinale Symptome wie Übelkeit, Durchfall oder Bauchschmerzen sowie kardiovaskuläre Beschwerden wie Herzrasen und Blutdruckschwankungen. Auch neurologische Symptome wie Kopfschmerzen, Konzentrati-onsstörungen und ausgeprägte Fatigue sind häufig.

Im Kontext von Long COVID und ME/CFS kann MCAS zur Verstärkung bestehender Symptome beitragen oder deren Variabilität erklären. Insbesondere die Kombination aus Dysautonomie, Fatigue und kognitiven Störungen lässt sich teilweise durch mastzellvermittelte Prozesse mit erklären.

Diagnostik des MCAS
Die Diagnostik des Mastzellaktivierungssyndroms ist anspruchsvoll, da es keinen einzelnen, spezifischen Marker gibt. Vielmehr basiert die Diagnose auf einer Kombination aus klinischer Symptomatik, laborchemischen Befunden und dem Ansprechen auf eine entsprechende Therapie. Laborchemisch können verschiedene Mastzellmediatoren bestimmt werden, darunter Histamin, Tryptase, Prostaglandin D2 oder dessen Metabolite. Allerdings sind diese Parameter oft nur während akuter Symptomphasen erhöht und können im Intervall unauffällig sein. Daher ist die zeitliche Abstimmung der Probenentnahme entscheidend. Ergänzend kann eine Bestimmung von Chromogranin A oder Heparin in spezialisierten Fällen sinnvoll sein. Die Interpretation dieser Werte erfordert Erfahrung, da Referenzbereiche und diagnostische Kriterien nicht vollständig standardisiert sind.